Band 4: Soest 1919 - 1939, Teil 1: Die politische Landschaft in Soest während der Weimarer Republik


Der vierte Band aus der Reihe "Soest in alten Bildern" und Dokumenten ist wahrscheinlich der letzte der Reihe, der, wie 1986 im Band 2 angekündigt, nur die Zeit von 1919 bis 1933 behandeln und schon 1988 erscheinen sollte. Damals war ein weiterer Band für den Zeitraum von 1933 bis 1950 vorgesehen.
Als der Rat der Stadt Soest aber 1987 den Stadtarchivar mit der Herausgabe einer fünfbändigen wissenschaftlichen Stadtgeschichte beauftragte, von der bisher zwei Bände mit zusammen fast 2.000 Seiten 1995 und 1996 erschienen sind, blieb für die Zusammenstellung eines weiteren Bandes dieser Reihe keine Zeit. Vorrangig musste dann auch eine umfangreiche Dokumentation zur Geschichte der Soester Juden und zum Bombenkrieg erarbeitet werden. Beide Bücher erschienen 1993 und 1994. Der in der ebenfalls von der Westfälischen Verlagsbuchhandlung Mocker & Jahn, Soest, publizierten Reihe der Soester Beiträge veröffentlichte Dokumentationsband "Bomben auf Soest", der auch das Kriegsende 1945 mit einschließt, ist zugleich ein Band "Soest in alten Bildern" von 1939 bis 1945, nur außerhalb dieser Reihe. Nun lag annähernd eine Bilddokumentation zur Soester Geschichte vor, so wie es das Verlagsprogramm für "Soest in alten Bildern" vorgesehen hatte. Es fehlte nur noch eine Dokumentation der politischen Geschichte Soests von 1919 bis 1939, die mit Band 4 vorgelegt wird. Dieser ergänzt den zweiten Band dieser Reihe, der hauptsächlich unter gesellschaftlichen Aspekten die "Soester im Kaiserreich und in der Weimarer Republik" beschrieb, und behandelt die Zeit der Weimarer Republik und die Nazi-Zeit bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges.
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Das Ruhrgebiet wurde nach dem rechtsgerichteten Kapp-Putsch am 13. März 1920 Kampfgebiet, in dem die Reichswehr linksrevolutionäre Gegenaufstände niederkämpfte. Im Zuge des Kapp-Putsches und des daraufhin ausgerufenen Generalstreiks, der den Putsch scheitern ließ, bewaffneten sich Arbeiter des Ruhrgebietes unter der Führung kommunistischer Spartakisten. Sie bildeten eine "Rote Ruhrarmee". Nachdem diese Essen, Oberhausen, Elberfeld und Düsseldorf erobert hatte, zog sich die Reichswehr aus dem Ruhrgebiet zurück. Die Spartakisten rückten zeitweise bis Hamm, Werl und Unna vor. Die Gegenoffensive der Reichswehr begann am 26. März 1920, als z. B. in Soest badische und württembergische Reichswehrtruppen einrückten.
Die Reichswehr setzte auch Flugzeuge ein. Zwischen den Dörfern Schwefe und Einecke in der Soester Börde stießen am 3. April 1920 zwei Flugzeuge in der Luft zusammen. Drei Soldaten starben. Die Trauerfeier fand am 6. April auf dem Osthofenfriedhof statt. Von dort aus bewegte sich der Trauerzug zum Bahnhof, weil die Toten in ihre Heimat überführt werden sollten.
Als der Trauerzug das Osthofentor passierte, drückte ein Fotograf auf den Auslöser.
Interessant auf diesem Bilddokument ist nicht nur der Trauerzug mit den Reichswehrsoldaten und dem Leichenwagen. Genau so viel Aufmerksamkeit verdienen die Kinder. Einmalig ist die Teilansicht des Wasserturms links im Bild.
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Dieser vierte Band erscheint wegen seines Umfangs in zwei Teilen. Teil 1 dokumentiert den Weg der Soester von der Revolution 1918 bis zum Ende der Weimarer Republik 1933, der Machtübernahme durch die Nazis und der Verfolgung der demokratischen Parteien. Dieser Teil behandelt also nicht nur die Zeit der Weimarer Republik, sondern auch die Anfänge der Nazi-Diktatur. Vor allem aber versucht er, die politische Landschaft in Soest von 1919 bis 1933 zu beleuchten. Es erweist sich, am Beispiel Soest demonstriert, dass die Anfänge des Rechtsradikalismus und Antisemitismus schon 1919 auszumachen sind, die bei den hier schon 1923 aktiven Nationalsozialisten gebündelt werden.
Beide Teilbände beginnen mit einer ausführlichen Zeitleiste oder synoptisch dargestellten Chronik: "Was geschah im Deutschen Reich - was in Soest 1919 - 1933" bzw. im Teil 2 für den Zeitraum 1933 - 1939 "Was geschah ... 1933 - 1939".
Dieser Chronik-Vorspann wird durch zahlreiche Abbildungen und Dokumentationen zu einzelnen Themen illustriert.
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| Die Soester Teilnehmer des Jungdeutschen Ordens am "Balleithing" am 20. und 21. Mai 1925 in Lippstadt mit ihrem Banner, das das Stadtwappen, den Soester Schlüssel enthält.
Der Jungdeutsche Orden war ein rechtsextremistischer Verband, der sich 1920 aus Freikorps-Soldaten gebildet hatte. Er war nach dem Vorbild des Deutschen Ritterordens organisiert. Mehrere örtliche Bruderschaften innerhalb eines halben Regierungsbezirkes bildeten eine "Ballei". (StAS, Abt. P Nr. 38.)
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Die drei- bis viertausend Teilnehmer am "Balleithing" des Jungdeutschen Ordens im Mai 1925 in Lippstadt versammeln sich zum Umzug. (StAS, Abt. P Nr. 38.) |
Die Beschreibung der politischen Landschaft in Soest 1919 - 1933 bildet den Hauptteil des ersten Teils. Behandelt werden dort: die republikanisch-demokratischen Parteien der sogenannten Weimarer Koalition, die SPD mit den ihr nahestehenden Organisationen, dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, den Gewerkschaften und der Deutschen Friedensgesellschaft, die Zentrumspartei und die Deutsche Demokratische Partei. Auf der Gegenseite stehen die republikfeindliche KPD, rechtslastige Vereine, die republikfeindliche Deutschnationale Volkspartei und die Deutsche Volkspartei mit ihren Sympathisanten und über zwanzig Kriegervereine.
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Die Kundgebungen und Umzüge der reaktionären und republikfeindlichen Kriegervereine bestimmten an vielen Wochenenden während der Weimarer Republik das Bild in der Stadt. |
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Der Stahlhelm - Bund der Frontsoldaten - war einer der rechtsradikalsten Kriegervereine. Im Dorf Ostönnen in der Soester Börde wurde 1919 seine erste westfälische Ortsgruppe gegründet. Hier organisierte man für den 1951 in der Bundesrepublik wieder begründeten Verein 1953 einen "ersten Stahlhelmtag nach dem Kriege", auf dem der 1952 als Kriegsverbrecher aus dem Werler Zuchthaus entlassene Generalfeldmarschall der Wehrmacht und überzeugte Nationalsozialist Albert Kesselring zum "Bundespräsidenten" des Stahlhelms gewählt wurde.
Im Jahr 2000 gab es immer noch den "Stahlhelm e. V. - Bund der Frontsoldaten - Kampfbund in Europa" im niedersächsischen Stade und Umgebung.
Dieses Foto entstand nach der Machtübernahme der Nazis vielleicht zum 25jährigen Bestehen der Ostönner Gruppe im November 1934, als die Stahlhelmer bis zum 35. Lebensjahr schon in die SA überführt waren.
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Sehr mühsam war es, die Aktivitäten rechtsextremistischer Parteien und Verbände in Soest zwischen 1919 und 1933 aufzuspüren. Ein umfangreicher Beitrag deckt die Aktivitäten des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes, des Jungdeutschen Ordens, des Alldeutschen Verbandes, des Tannenbergbundes und des Werwolfs in Soest auf und nennt ihre Aktivisten. Die finden sich häufig wieder in der Ortsgruppe der NSDAP, deren Entwicklung in Soest von den Anfängen 1923 bis zur Machtübernahme verfolgt wird.
Der erste Teil des Bandes endet mit zwei Beiträgen über die sogenannten "Braunen Häuser" der Nazis in Soest, die bis 1938 im barocken ehemaligen Waisen- und Krankenhaus, Waisenhausstraße 11, ihr "Haus der Bewegung" einrichteten und über die Soester Deutschlandhalle, wo die Nazis mit bis zu 15.000 Teilnehmern ihre propagandistischen Großveranstaltungen bis 1937 durchführten.
Dieser Teil 1 des vierten Bandes umfasst 323 Seiten mit 352 Abbildungen und ist unter der ISBN 3-87902-213-5 im Buchhandel zu erwerben.

Aufmarsch von SA-Leuten in weißen Hemden während eines Uniformverbotes 1931 oder 1932 in der Rathausstraße.
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Anzeige des "Brauen Hauses", des Organisations- und Agitationszentrums und der Verkaufstelle von Devotionalien der Soester Nazis in der Marktstraße 20. (Soester Anzeiger 17. 12. 1932.)
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Hotel Overweg, Jakobistraße 9, das beste Haus am Platze, Anfang der 1930er Jahre. Hier übernachteten der SA-Mann und Nazi-Agitator Prinz August Wilhelm von Preußen, Adolf Hitler, der Reichsjugendführer Baldur von Schirach und andere
Prominente, die sich im Gästebuch das Hotels "verewigten".
Inhaltsverzeichnis
Soest 1919 - 1939 Teilband I
Von Gerhard Köhn
Westfälische Verlagsbuchhandlung Mocker & Jahn Soest 2003
ISBN 3-87902-213-5
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Vorwort
I. Was geschah im Deutschen Reich - was in Soest 1919
- 1933?
Chronik der wichtigsten Ereignisse im Deutschen Reich
und in Soest mit vielen Abbildungen aus dem alten Soest und Dokumentationen
zum: Soester Notgeld 1919 - 1923 Stadtfest 1924 "1300 Jahre Soest" Werbeschwerpunkt des Verkehrsamtes "Alt-Soester Gaststätten" Neuen und modernen Lichtspieltheater "Lichtburg"
in der Brüderstraße 1930 "Soester-Fehde-Fest" der Bürgerschützen
1931 Wahlergebnisse in Soest 1919 - 1933
II. Die politische Landschaft in Soest 1919 - 1933
Die republikanisch-demokratischen Parteien der Weimarer
Koalition
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD), das
Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, die Gewerkschaften und die Deutsche
Friedensgesellschaft Die "Flaggenfrage" Ortsgruppe Soest des Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold Fahne für die Ortsgruppe des Reichsbanners und
"Republikanischer Tag" 1926 Das Reichsbanner gegen die Nazis Schutzformation und Eiserne Front Sieg der alten Fahne und der Nazis Gewerkschaften Deutsche Friedengesellschaft Zentrumspartei Deutsche Demokratische Partei (DDP)
Die linksextremistische republikfeindliche Partei
Kommunistische Partei Deutschlands (KPD)
Rechtslastige Vereine
Verein Heimatpflege Soest Soester Turn- und Sportverein
Die republikfeindlichen Parteien und ihre Sympathisanten
Deutschnationale Volkspartei (DNVP) Evangelische Kirche Deutsche Volkspartei (DVP) Soester Anzeiger Wirtschaftspartei Deutschnationaler Handlungsgehilfenverband (DHV) Landwirtschaftlicher Kreisverein, Kreislandbund und
Jungbauernfront Deutsche Kolonialgesellschaft (DKG) Verein für das Deutschtum im Ausland (VDA)
Kriegervereine
Stahlhelm - Bund der Frontsoldaten Ehemalige des Regiments 13 (Ehemalige
13er) von Soest und Umgebung; Ehemalige des Landwehr-Infanterieregiments 13 Ehemalige des 3. Westfälischen Infanterieregiments
Nr. 16 (Hacketäuer); Regimentsvereinigung Ehemaliger 17er Verein Ehemaliger 39er;
Ehemalige des Infanterieregiments Nr. 55; Ehemalige 98er; Verein Ehemaliger 158er Soest und Umgebung (7. Lothringisches
Infanterieregiment 158) Ortsgruppe Soest und Umgebung Ehemaliger 5. Ulanen;
Verein Ehemaliger 8. Husaren Soest 11. Husaren (Grüne
Husaren)-Verein Soest Soester Vereinigung der Altveteranen; Ehemalige Jäger und Schützen Gardeverein Soest Soester Artillerieverein Vereinigung Ehemaliger Pioniere und Verkehrstruppen
Soest; Deutscher Offiziersbund Ortsverein Soest Ehemalige 256er;
Kavallerieverein Soest Marineverein Soest Krieger- und Landwehrverein Soest Kreiskriegerverband und die Arbeitsgemeinschaft der
militärischen Vereine Soest Gedenkfeiern zur Reichsgründung am 18. Januar
1871 und zum Beginn des Ersten Weltkrieges am 2./3. August 1914 Kriegerehrenmale in Soest und der Börde
Rechtsextremistische Parteien und Verbände
Deutsch-völkischer Schutz- und Trutzbund (DSTB)
1919 - 1922 Jungdeutscher Orden (JdO) Alldeutscher Verband; Tannenbergbund Werwolfbund von Westfalen Die Anfänge der Nationalsozialistischen Deutschen
Arbeiterpartei (NSDAP) in Soest "Braune Häuser" der Nationalsozialisten in Soest
III. Die
Soester Deutschlandhalle und Großveranstaltungen
der Nationalsozialisten 1933 - 1937
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