Soest in einer sehr kurzen Geschichte
RADIERUNG AUS DEM STÄDTEBUCH
VON BRAUN UND HOGENBERG 1588
Soest war im hohen Mittelalter zumindest
von etwa 1200 bis ca. 1450 die größte und bedeutendste Stadt
Westfalens und die Hauptstadt des kurkölnischen Landesteils. Um 1450
stand es mit ungefähr 10.000 Einwohnern und einer ummauerten Fläche
von 102 Hektar im Range einer Großstadt (Köln war mit 40.000
Einwohnern die größte Stadt in Deutschland). Noch 1843 hatte
Soest mit 8.750 Einwohnern mehr als Dortmund (7.650).
Der fruchtbare und quellenreiche Soester
Raum ist uraltes Siedlungsgebiet. Am Ende des 8. Jahrhunderts, als die
Franken unter Karl dem Großen die ins fränkische Reich eingedrungenen
Sachsen unterjochen und christianisieren, beginnt auch in Soest die kontinuierlich
dokumentierte Stadtgeschichte. Die gegen Ende des 8. Jahrhunderts errichtete
Petrikirche war die erste Kirche in einem weiten Missionsgebiet, das die
von den Franken ausgebaute Fernhandels- und Heerstraße, der Hellweg,
durchzog.
Eine Fläche von 4,5 Hektar um diese
Kirche herum, die der Überlieferung nach schon früh dem Kölner
Erzbistum unterstellt wurde, war schon im 9. Jahrhundert durch eine Befestigung
gesichert. Hier errichtete vermutlich der Kölner Erzbischof Bruno
(953-965), ein Bruder Kaiser Ottos I., einen gewaltigen Wohnturm, von dem
noch Mauerreste vorhanden sind. 962 ließ Bruno die aus Troyes in
Frankreich stammenden Reliquien des Märtyrers Patroklus nach Soest
überführen und verfügte in seinem Testament die Gründung
des St.-Patrokli-Stiftes, das zu einem weltlichen und kirchlichen Verwaltungszentrum
im Kölner Erzbistum wurde.
Als eine befestigte und volkreiche Siedlung
wurde Soest 836 erstmals urkundlich erwähnt. 972 beschrieb ein arabischer
Gesandter am Hof des Kaisers Soest als befestigten Ort, in dem die Einwohner
Salz durch Verdampfen salzhaltigen Quellwassers herstellten.
Im 11. und 12. Jahrhundert nahm Soest
einen gewaltigen Aufschwung. Etwa ab 1140 wurde eine Erweiterung des Siedlungsgebietes
auf 102 Hektar vorgenommen und in jahrzehntelanger Arbeit durch eine 3,8
km lange, 1,70 Meter dicke und 10 Meter hohe Mauer mit 10 Toren eingefasst.
Ein durchschnittlich 21 Meter breiter Graben war dieser Mauer vorgelagert.
Die ursprünglich 27 Wehrtürme (nur einer ist erhalten) wurden
im 13. Jahrhundert errichtet. Der Wall hinter der Mauer wurde erst im 15.
Jahrhundert aufgeschüttet, nachdem die Soester erfahren hatten, dass
die neuen Feuerwaffen ihre Stadtmauer demolieren konnten.
Das sich im 12. Jahrhundert herausbildende
Soester Stadtrecht ist auf der sogenannten "Kuhhaut", einem großen
Stück Pergament, aus dem 13. Jahrhundert überliefert. Es wurde
Vorbild für 65 Städte im norddeutschen Raum. Um 1150 sind ein
ratsähnliches Gremium, das die Stadt regiert, und das älteste
Stadtsiegel nachweisbar.
Nach dem Abschluss des Mauerbaues wurde
die große Stadt in sechs Pfarrbezirke eingeteilt. Neben der alten
Stadtkirche St. Petri, der Stiftskirche St. Patrokli, der Kaufmannskirche
St. Georgii und dem außerhalb der Mauer gelegenen Stift St. Walburgis
entstanden in der Folgezeit die Kirchen St. Pauli, St. Thomä, St.
Mariä zur Höhe und St. Mariä zur Wiese, z: T. an der Stelle
kleinerer Vorgängerbauten.
Im 13. Jahrhundert kamen noch die Klöster
der Dominikaner und der Franziskaner hinzu. In den einzelnen Kirchengemeinden
und im Bereich der Stadttore entstanden 18 z. T. große Kapellen wie
z. B. die Nikolai- und die Brunsteinkapelle, die heute noch stehen. Am
Rande der Stadt baute sich der Kölner Erzbischof einen neuen Palast.
Als der Kaiser ihn 1180 mit dem Herzogtum Westfalen belehnte, wurde Soest
die Hauptstadt dieses kurkölnischen Westfalen. Hiermit waren die Weichen
gestellt für den Aufstieg Soests zur bedeutendsten Stadt des Landes.
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Wiesenkirche
Hohnekirche
Georgskirche
Rathaus
St. Patrokli-Münster
Petrikirche
Alte erzbischöfliche Pfalz / Hohes Hospital
Paulikirche
Stalgadum
Alt-St. Thomäkirche
Franziskaner-/Minoritenkloster
Dominikanerkloster
Augustinerinnenkloster St. Walburgis
Brunsteinkapelle
Nikolaikapelle
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A
B
C
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Sälzersiedlung "am Kohlbrink"
Eisenverarbeitung "am Isenacker"
Metallhandwerker "am Plettenberg"
Karolingisch-ottonische Befestigung
Neue erzbischöfliche Pfalz
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Soest im Mittelalter
Graphische Umsetzung:
Stadtarchäologie Soest
C. Curth, J. Treptow
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Die Hanse und Soest
Soester Kaufleute haben schon im 10. und
11. Jahrhundert Fernhandel, vor allem nach Norden, nach Haithabu/Schleswig,
und nach Osten getrieben. Sie waren Mitbegründer von Lübeck und
anderen Ostseestädten im 12. und 13. Jahrhundert, darunter auch Wisby
auf Gotland oder Thorn in Polen. Fernhändler aus Soest lassen sich
schon früh in Riga und Nowgorod nachweisen.
Wichtigstes Handelsgut der Soester bildete
das hier und in der Umgebung gewonnene Salz. Gleichbedeutend war der Handel
mit Wein, der über Köln bezogen wurde, und mit Metallwaren, besonders
Waffen, die hier aus den Rohmetallen des Sauerlandes hergestellt wurden.
Agrarprodukte, vor allem Getreide, aber auch Pferde und Vieh aus der Soester
Börde, Waid zum Färben von Stoffen und hier hergestellte gefärbte
Tuche ergänzten den Warenkatalog der Soester Kaufleute.
Im westfälischen Hansequartier übernahm
Soest wie auch Dortmund, Münster und Osnabrück die Rolle einer
Prinzipalstadt. Es war Vertreter auf den großen Hansetagen in Lübeck
für Lippstadt, Werl, Arnsberg, Attendorn, Brilon, Rüthen und
Geseke mit den Orten Olpe, Menden, Drolshagen, Belecke, Warstein, Kallenhardt,
Neheim, Eversberg, Hirschberg, Grevenstein, Balve, Allendorf und den sieben
Freiheiten Hüsten, Freienohl, Sundern, Bödefeld, Hagen, Hachen
und Langscheid.
1604 fand in Soest der letzte regionale
Hansetag der Soest zugeordneten Hansestädte statt. 1608 war Soest
zum letzten Mal in Lübeck vertreten. Die Einladung zum letzten Hansetag
in Lübeck 1669 schlug Soest aus, weil die Hanseorganisation nicht
mehr wie früher funktionierte.
Die Soester Fehde
Das Selbstbewusstsein und der Reichtum
der Soester gerieten immer häufiger in Konflikt mit den Interessen
des Landesherrn, des Kölner Erzbischofs. 1225 schon hatten die Bürger
seinen neuen Palast gewaltsam entfestigt. Im 14. und 15. Jahrhundert errang
die Stadt die Herrschaft über 48 Dörfer der Soester Börde.
Die Auseinandersetzungen mit dem geistlichen Landesherrn gipfelten in der
Soester Fehde, 1444 - 1449, in der es der Stadt gelang, die Territorialherrschaft
der Kölner Erzbischöfe abzuschütteln. Sie trat in ein nur
lockeres Bündnisverhältnis zum Herzog von Kleve. Ihre Funktion
als Hauptstadt im kurkölnischen Herzogtum Westfalen war damit beendet.
Als~ sie 1531 mit ihren 48 Dörfern in zehn Kirchspielen evangelisch-lutherisch
wurde, lag sie ziemlich isoliert am Rande des Herzogtums Kleve-Mark, umgeben
von den nicht immer freundlich gesinnten katholischen kurkölnischen
Gebieten.
Die Einbindung der Stadt
in den brandenburgisch-preußischen Staat
1609 war der letzte Herzog von Kleve gestorben.
Damit geriet Soest in den Kampf um dessen Erbe und wurde 1614 den Brandenburgern
zugesprochen. 1616 kapitulierte die Stadt nach einer kurzen Belagerung
und sah damit zum ersten Mal einen "Feind" in seinen Mauern.
Im darauffolgenden Dreißigjährigen
Krieg (1618-1648) nahm in Soest die Zahl der Einwohner und Häuser
drastisch ab. Der Siebenjährige Krieg, in dem Preußen unter
Friedrich II., dem Großen, gegen Osterreich, Russland und Frankreich
kämpfte, bewirkte den Tiefpunkt der Stadtentwicklung: Aus der ehemaligen
Großstadt war 1756 eine unbedeutende Landstadt mit ca. 3.600 Einwohnern
geworden.
Der preußische Staat duldete keine
Sonderrechte einzelner Städte und nahm Soest nach und nach althergebrachte
Privilegien wie die Steuerfreiheit, die Gerichtshoheit des Rates oder die
freie Wahl der Ratsherrn und der Bürgermeister. 1742 verlor Soest
das Recht, selbst zu münzen, und 1751 hob Friedrich II. die seit 1260
bestehende Soester Ratsverfassung auf.
In der napoleonischen Zeit verlor Soest
1809 sein 20.000 Hektar großes Territorium mit den 48 Bördedörfern,
über das es Jahrhunderte geherrscht hatte. 1808 und 1809 wurden die
Nonnenklöster Paradiese und Welver in der Soester Börde aufgehoben,
1811 das Stift St. Patrokli, 1812 das Stift St. Walburgis und das Dominikanerkloster
und 1814 das Franziskanerkloster.
Wiederaufstieg im 19.
Jahrhundert
1817 gewann Soest als Sitz des neugeschaffenen
Kreises Soest zwar eine wichtige Zentralfunktion zurück, aber die
erste Hälfte des 19. Jahrhunderts war für unsere Stadt noch eine
erbärmliche Zeit. Die mittelalterliche Bausubstanz zerfiel immer mehr.
Von zehn Stadttoren überlebte nur das Osthofentor (heute Museum u.a.
mit 25.000 mittelalterlichen Armbrustbolzen). Drei Kirchen, das mittelalterliche
Rathaus und etliche andere baugeschichtlich bedeutende Gebäude wurden
abgebrochen.
Am industriellen Aufschwung von der Mitte
des vorigen Jahrhunderts an hatte Soest nur einen geringen Anteil. Der
Bau der Eisenbahn ab 1849 vernichtete ein Drittel des mittelalterlichen
Befestigungsringes und bewirkte die Ansiedlung einzelner Industriebetriebe
außerhalb der Wallmauer, so dass das mittelalterliche Stadt- und
Straßenbild weitgehend unberührt blieb. Der Soester Bahnhof
wurde zu einem großen Umschlagplatz für den Güterverkehr
vom und zum Ruhrgebiet ausgebaut und damit zum größten Arbeitgeber
in der Stadt.
So ist Soest heute
Im Zweiten Weltkrieg sollte vor allem der
Verschiebebahnhof mit 2.000 Beschäftigten getroffen werden, aber die
Bomben der Alliierten zerstörten oder beschädigten auch ungefähr
60% des Hausbestandes.
Man hat beim Wiederaufbau die alten Straßenfluchtlinien
weitgehend belassen. Das alte Soest entstand mit vielem Fachwerk neu. Die
Altstadt mit ihren zu zwei Dritteln erhaltenen Befestigungsanlagen, mit
ihren vielen Kirchen, zahlreichen alten Häusern und ihren verschlungenen
Straßen und Gassen hat immer noch den Charakter einer mittelalterlichen
Stadt.
1969 konnte Soest im Rahmen der nordrhein-westfälischen
Gemeindegebietsreform 18 Dörfer von den ursprünglich 48, die
bis 1809 zur Stadt gehört hatten, als Ortsteile eingemeinden, und
1975 wurde es Sitz des aus den Altkreisen Soest und Lippstadt und dem Amt
Warstein (Kreis Arnsberg) gebildeten neuen Großkreises Soest.
Soest hat heute 50.000 Einwohner und liegt
an der Peripherie des Ruhrgebietes und nahe an den Erholungsgebieten Möhnesee
und Sauerland. Seine Verkehrsanbindungen durch die Eisenbahn nach Osten
über Paderborn und nach Westen, Norden und Süden über Hamm
und Dortmund und durch die Autobahn A 44 und die Bundesstraße 1 sind
günstig.
Als Kreissitz und als Sitz einer großen
Zahl überregionaler Behörden, mit weitgefächertem Schulangebot, mit der
Abteilung Soest der Fachhochschule Südwestfalen - Hochschule für
Technik und Wirtschaft -, dem nordrhein-westfälischen Landesinstitut für
Schule und Weiterbildung, einem Studieninstitut für öffentliche Verwaltung
und als Standort hauptsächlich mittelständischer Unternehmen ist Soest ein
aufstrebendes regionales Zentrum mit besonderer Wohnqualität.
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