Band 4: Soest 1919 - 1939, Teil 2: Die Diktatur der Nazis in Soest bis 1939

   
Eine ehemalige Walzwerkhalle nördlich des Bahnhofs war von der Stadt Soest erworben und zu einer großen Veranstaltungshalle ausgebaut worden.


Dem Hauptteil vorangestellt ist auch hier eine synoptisch wiedergegebene umfangreiche Chronik "Was geschah im deutschen Reich - was in Soest 1933 - 1939".
Teil 1 enthält eine Ergebnisliste zu den Reichstags- und den Kommunalwahlen von 1919 bis 1933 in der Stadt Soest. Der zweite Teil beginnt mit einer Übersicht über die Ergebnisse rechter und rechtsradikaler Parteien bei der Wahl zur verfassunggebenden Nationalversammlung 1919, bei verschiedenen Reichstagswahlen bis 1933, der Reichspräsidentenwahl 1925 und bei der Wahl zum Preußischen Landtag 1932. Hier aber sind nicht nur die Ergebnisse für die Stadt Soest, sondern auch für die 18 im Jahre 1969 eingemeindeten Bördedörfer, die Ämter der Soester Börde, für die Stadt Werl und die Ämter Körbecke und Oestinghausen wiedergegeben. Der Trend zu den rechten und später zu den rechtsradikalen Parteien ist auch hier auszumachen, aber mit deutlichem Unterschied zwischen den evangelischen Bördedörfern und den katholischen Gebieten des Altkreises Soest.
Die Aktionen der Machtergreifung durch die Nazis und die sogenannte Gleichschaltung werden wieder aufgenommen, die z. T. schon in den Beiträgen über die Parteien im ersten Teil behandelt sind. Dazu gehört auch das Kapitel über die städtische Verwaltung nach dem 30. Januar 1933 und die Abschaffung der demokratischen Selbstverwaltung durch Verfügungen und Reichsgesetze.
Nachdem die Nazis einen großen Teil des öffentlichen und politischen Lebens und vor allem dabei waren, die gesamte exekutive Gewalt des Reiches zu erobern, befahlen sie drei große Feste, die auch die Aufgabe hatten, die Bevölkerung von ihren Maßnahmen abzulenken. Sie ließen am 1. Mai 1933 den "Tag der Nationalen Arbeit" mit großem Propaganda-Aufwand feiern, um einen Tag danach die Gewerkschaften zu überfallen, zu berauben, ihre Funktionäre zu verhaften und die Arbeitnehmer in die Zwangsorganisation der deutschen Arbeitsfront zu überführen. Nachdem man den Arbeitern ein hinterlistiges Fest geboten hatte, folgte ein nächstes für die Bauern, das Erntedankfest am 1. Oktober 1933, und ein drittes für die Handwerker mit einem "Ehrentag" am 15. Oktober 1933 und danach einer "Woche des deutschen Handwerks". Diese Feste sind ausführlich dokumentiert. Ergänzend werden dann noch die 1. Mai-Feiern in Soest von 1934 bis 1938 und die Erntedankfeste von 1934 bis 1944 behandelt. Die der Jahre 1942 bis 1944 wurden hier zentral für den ganzen Gau Westfalen-Süd gefeiert.


Umzug zum Erntedankfest am 1. Oktober 1933, einem der drei von der NSDAP inszenierten reichsweiten Festen, die auch die Aufgabe hatten, von den Untaten der Nazis abzulenken und die Deutschen zu einer dem Führer hörigen Volksgemeinschaft einzufangen. Das Foto zeigt die Jakobistraße, in der noch die schwarz-weiß-roten Fahnen des Kaiserreiches überwiegen, die inzwischen zusammen mit der Hakenkreuzfahne zur neuen Nationalflagge erhoben worden waren.
    

Auf  dem Markt wird der Umzug am Erntedankfest 1943 erwartet. In den ersten Reihen stehen die uniformierten, dahinter die zivilen Soester. (Foto: Walter Nies im Stadarchiv Lippstadt.)



Danach folgt ein umfangreiches Kapitel über die NSDAP und ihre Organisationen in Soest, z. B. SA, SS, HJ und BdM ohne die Anfänge der Partei ab 1923, die schon im ersten Teil des Bandes 4 abgehandelt sind. Die Recherchen hierzu waren schwierig, da Akten der Partei aus dem Altkreis Soest nicht erhalten sind. Erstmals in der Soester Geschichtsschreibung wird hier die NSDAP unter Auswertung einer "Ersatzüberlieferung", der Tageszeitung "Soester Anzeiger", der Parteizeitung "Westfälische Landeszeitung Rote Erde" und der Akten im Soester Stadtarchiv etwas genauer unter die Lupe genommen.
Weitere Kapitel behandeln das Sammelwesen der Nazis fürs Winterhilfswerk, zu Führers Geburtstag oder durch das Eintopfessen.
Dem "Führerkult" wurde schon zum 20. April 1933 massiv durch die Stadtverordnetenversammlung gehuldigt, als diese beschloss, Adolf Hitler und dem Reichspräsidenten Hindenburg die Ehrenbürgerrechte von Soest zu verleihen. Eine gewisse traurige Berühmtheit erlangte die aus Soest stammende Bildhauerin Hedwig Maria Ley, die 1932 eine Hitlerbüste schuf, die, reichsweit verbreitet, auch in der "Ehrenhalle" im Soester "Haus der Bewegung" und in andern öffentlichen Gebäuden und Schulen auf einem Sockel zur Verehrung einlud.


"Maiden", die zum Arbeitsdienstpflichtjahr einberufen waren, tanzen um den Erntekranzbaum auf dem Soester Markt während des Erntedankfestes des gesamten Gaues Westfalen-Süd in unserer Stadt am 3. Oktober 1943. (Foto: Walter Nies im Stadtarchiv Lippstadt.)
     
Die Soester SA-Standarte 219 "Soester Börde" beim Einmarsch auf den Markt während des Gauerntedankfestes am 3. Oktober 1943. (Foto: Walter Nies im Stadtarchiv Lippstadt.)

Weitere Kapitel im zweiten Teil des Bandes 4 behandeln die im Zuge der Aufrüstung in Soest gebauten neuen Kasernen, die Garnison, darunter auch die Marinefunkstation, die von den Militärs inszenierten Heldengedenktage, den Freiwilligen und den Reichs-Arbeitsdienst, die Kulturarbeit des Verkehrsamtes mit dem hier 1936 durchgeführten Westfalentag, die Künstler im Soester Kunstring, die Beschlagnahme sogenannter "Entarteter Kunst" aus der städtischen Kunstsammlung, die Zensurarbeit des NS-Kreiskulturwartes und die Gleichschaltung des Musikvereins und der Volksbücherei..
Das Dritte Reich ist nach der Machtergreifung und Gleichschaltung geprägt durch Eintönigkeit und Gleichförmigkeit auf der einen und durch seinen Terror und seine unzähligen Verbrechen auf der anderen Seite. Der Verfolgung der Soester Mitbürger, Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschaftler, Katholiken, Juden, Bibelforscher, Homosexuellen, Sinti und Roma oder Behinderten, von gerichtlichen Nachstellungen, über willkürliche Verhaftungen und Einsperren in Konzentrationslager bis zur systematischen Ermordung widmet dieser Teil ein umfangreiches Kapitel.
Neben dem Quellen-, Literatur- und Abkürzungsverzeichnis beschließt den Teilband 2 ein Register, in dem die vielen Informationen zu Personen und Sachen für beide Teile gebündelt sind.




Links das Hotel 'Börde', in der Mitte Buchhandlung Schulze, Nöttenstraße.
Aus: Bomben auf Soest (Soest-Bibliographie Nr. 50).
 

 

Inhaltsverzeichnis

Soest 1919 - 1939
Teilband II
Soest im Nationalsozialismus

Von Gerhard Köhn
 

Westfälische Verlagsbuchhandlung Mocker & Jahn
Soest 2006

ISBN 3-87902-214-3

 

IV.     Was geschah im Deutschen Reich - was in Soest 1933 - 1939?

Chronik der wichtigsten Ereignisse im Deutschen Reich und in Soest
mit vielen Abbildungen aus dem alten Soest und Dokumentationen zum
      Markt
      Westfalentag 1936
      Kreisfeuerwehrfest in Soest 1937


V.          Wahlergebnisse 1919 - 1933 der rechten Parteien

in Soest, den heutigen Soester Ortsteilen, anderen evangelischen Dörfern
und Ämtern der Soester Börde, im katholischen Werl, in den katholischen
Ämtern Körbecke und Oestinghausen
und aller Parteien im Deutschen Reich 1920 - 1933 


Soest unterm Hakenkreuz - von der „Machtergreifung" bis zum Kriegsbeginn


VI.         Die „Machtergreifung" der Nationalsozialisten in Soest

Die „Machtergreifung" und „Gleichschaltung" 1933/34
Die städtische Verwaltung und die Abschaffung der Selbstverwaltung
Große öffentliche Propagandafeiern als Ablenkungsmanöver
      Feiern zum 1. Mai 1933 und 1934 - 1938
      Erntedankfeste 1933 und 1942 - 1943
      Handwerkerfest 1933


VII.       Die NSDAP - Gliederungen, Selbstdarstellung und Führerkult

Die NSDAP, ihre Organisation und ihre Propagandaveranstaltungen 1933 - 1939
      Die Kreis- und Ortsgruppenleiter der NSDAP
Die Sturmabteilungen der NSDAP (SA)
Die Soester SS
Hitlerjugend (HJ)
Führer- und Hitlerkult
Die Soester Bildhauerin Hedwig Maria Ley und ihre Hitlerbüste


VIII.      Aus dem kulturellen Leben in Soest

Städtisches (Kultur- und) Verkehrsamt
Aus der Arbeit des NS-Kreiskulturamtsleiters Richard Jüsten
Bildende Künstler im Soester Kunstring
„Entartete Kunst" in der Städtischen Kunstsammlung
Der Musikverein wird nationalsozialistisch
Die „Säuberung" der Volksbücherei


IX.         Das verordnete Sammeln und Spenden

Winterhilfswerk und Eintopfsonntage
Weitere Sammelaktionen: Küchenabfälle und Alteisen, „Dankopfer der Nation"
und „Hitlerurlaub"


X.          Verfolgungen und „Ausmerzungen" aus politischen, rassistischen und religiösen Gründen

Allgemeines
Verfolgung der KPD-Mitglieder
Verfolgung der Soester Juden
Der „Zigeunerbeauftragte" aus Soest und seine Opfer
Die Sterilisierung psychisch Kranker, Behinderter und „Gesellschaftsunfähiger"
Verfolgung der Homosexuellen
Verfolgung der Ernsten Bibelforscher/Zeugen Jehovas
Verfolgung der Bettler
Verfolgung nach dem „Heimtückegesetz"
Verfolgung katholischer Priester


 XI.        Aufrüstung und Kriegsvorbereitungen

Vom Freiwilligen Arbeitsdienst (FAD) zum Reichsarbeitsdienst (RAD)
      Soest als Sitz der Arbeitsdienstgruppe 207 im „Arbeitsgau" 20 b
Neue Kasernen, neue Garnison mit Infanterie, Artillerie und Marine
      Heldengedenkfeiern
„Über Gräber vorwärts!" - Beobachtete Kriegsvorbereitungen in Soest und der
Beginn des Zweiten Weltkriegs


          Nachwort

          Anhang

Verzeichnis der benutzten Quellen und Literatur
Abkürzungen
Errata im Teil I
Abbildungsnachweis
Orts-, Personen- und Sachregister für die Teilbände I und II  


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