Gerhard Köhn
Der Dreißigjährige Krieg in Stadt und Land



Prospekt zum Buch:

Der Dreißigjährige Krieg in Stadt und Land -
zum Beispiel in Soest und in der Soester Börde


Mit vielen Bildern und Dokumenten von Gerhard Köhn.


160 Seiten. Format 21 x 28 cm. 20 Euro. Verlag M. Köhn, Terlindenweg 6, 59494 Soest 1998. ISBN 3-00-003239-8.

Im Oktober 1648 wurde der in Münster und Osnabrück ausgehandelte Westfälische Frieden verkündet, der den 30jährigen Krieg beendete.
In Westfalen sind viele Aktivitäten angeregt worden, um an diesen ersten europäischen Friedensvertrag vor 350 Jahren zu erinnern.
In Münster und Osnabrück stehen die Friedensverhandlungen als Reichs- und Staatsaktion, deren Vertragstext zum Reichsgesetz erhoben wurde, im Mittelpunkt von Ausstellungen, Vorträgen und Publikationen. In den Museen und Archiven der Provinz hat der Friede von 1648 kaum Spuren hinterlassen. Und wenn sie denn überhaupt etwas zur Jubiläumsfeier beitragen können und wollen, dann geht es in den Dokumentationen, Ausstellungen und Darstellungen der Lokalhistoriker hauptsächlich um den Krieg und das, was er den Landstrichen angetan hat.
So auch in Soest, wo das Stadtarchiv eine Ausstellung ausschließlich aus eigenen Beständen, wie Akten, Urkunden oder Kupferstichen zusammengestellt, und wo der Stadtarchivar ein Buch von 160 Seiten mit 115 Abbildungen auf eigene Rechnung - mit Unterstützung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe herausgegeben und produziert hat.
Der Autor bietet in seinem Buch nicht nur eine detaillierte Beschreibung des unsäglichen Leids, das die Stadt Soest bei den acht Beschießungen, Eroberungen und Plünderungen bis 1640 erlitt. Er stellt besonders heraus, was die Landbevölkerung, die Bauern der zu Soest gehörenden 48 Bördedörfer, durch die marodierende Soldateska zu erdulden hatte.
Die Bauern wurden nicht erst seit 1618, dem offiziellen Beginn des 30jährigen Krieges, regelmäßig ausgeplündert. Die Religionskriege begannen eigentlich schon 1543, und bis 1648 bluteten die Bauern für unterschiedliche Heerhaufen oder auch nur durchziehende kleinere Reitertrupps.
In den 30jährigen Krieg ab 1618 mündeten zwei vorher begonnene kriegerische Auseinandersetzungen: der von 1568 bis 1648 dauernde Freiheitskampf der calvinistischen Nordniederländer gegen die Landesherrn, die katholischen Spanier, und der Erbfolgekrieg um den reichen Landbesitz des Herzogtums Kleve mit den Herzogtümern Jülich und Berg und den Grafschaften Mark und Ravensberg, der 1609 nach dem Tod des geisteskranken und kinderlosen Herzogs Johann Wilhelm aufgeteilt werden musste.
In beiden Fällen richteten sich die Fronten letztlich nach den Konfessionen der Beteiligten, der Verbündeten bzw. jener, die aus politischem Kalkül, aus Gewinnstreben oder aus Machtgier sich einmischten.
Auf der einen Seite kämpfte die katholische Partei, vor allem der Kaiser mit dem bayerischen Herzog, mit anderen katholischen Reichsfürsten und den Spaniern. Ihnen gegenüber standen die evangelisch-protestantischen Reichsfürsten, allen voran der Hesse mit dem calvinistischen-reformierten Kurfürsten von Brandenburg, der dänische König, die calvinistischen Nordniederländer, ab 1630 auch die Schweden und schließlich noch die Franzosen.
Die von ihnen angeworbenen Söldner kämpften gegeneinander und auf dieser oder jener Seite. Sie schlugen sich allein wegen des Soldes, und sie ernährten sich durch Plünderungen aus dem Land, wo sie gerade waren, und sie waren ständig woanders.
Soest und die Soester Börde haben in diesen Kriegsjahren so viele "Touristen" gehabt wie nie zuvor. Bevorzugtes "Reiseland" war die fruchtbare Soester Börde, und die hatte über 100 Jahre von 1543 bis 1648 zu leiden unter diesen Herrschaften, die kein Geld brachten., sondern die "Gastgeber" ausplünderten.


Hier nun der Inhalt der einzelnen Kapitel:

Die Vorläufer des großen Krieges im 16. Jahrhundert
Soester Kaufmann vergräbt Gold- und Silbermünzen in der Marktstraße 1603/04 - 1950 gefunden - heute im 'I'resor des Stadtarchivs
Der Herzog von Kleve stirbt kinderlos - Die Erben verbünden sich gegen den Kaiser 1609-1610
Der Kaiser rüstet auf - Erste Kämpfe in der Soester Börde 1610
Auch die beiden fürstlichen Erben rüsten auf 1610-1611
Ruhe an der Front, aber Pest in Soest - Konfessionswechsel der Erben und drohende neue Gefahren 1612-1614
Überfälle und Schäden am laufenden Band 1614-1615
Soest wird zum ersten Mal in seiner Geschichte erobert 1616
Friedliche Jahre mit spanischer Garnison in der Stadt - Geldhungrige Söldner in der Börde 1617-1621
Beginn des 30jährigen Krieges - Ende des Waffenstillstandes zwischen Spanien und den Niederlanden 1618-1621
Herzog Christian von Braunschweig erobert Soest 1622
Das Leid unter der Besatzung Christians von Braunschweig 1622
Aufregende Geschichten um Christian von Braunschweig - Große Schätze und eine eiserne Hand
Soests dritte Eroberung - Spanier in Soest 1622-1623
Italiener zuerst in der Börde, dann in der Stadt 1623-1624
Niederländer erobern Soest - Spanier in den Dörfern 1625-1629
Der Krieg macht hier eine Pause 1630-1631
Reitergeneral Pappenheim mit 24.000 Söldnern in der Börde 1632
Der Krieg wird immer brutaler - 20 junge Soester sterben 1634
Soest wird zum fünften Mal erobert - Hessische Garnison 1634-1635
Die Pest in Soest 1635
Soest wird zum sechsten Mal erobert und in Brand geschossen 1636
Simplicius Simplicissimus oder der Jäger von Soest im Heer des Grafen Götz 1636/37
Der Jäger von Soest - Dichtung und Wahrheit
Silber-, Kupfer- und Zinngeschirr verlässt Soest ab 1637
Ein listiger Überfall, die siebte Eroberung Soests, und ein friedliches Jahr 1638-1639
Ein erneuter Überfall der Hessen - Die achte Eroberung 1640
Gott im Himmel, erhöre unser elendes Seuffzen! - Soest kauft sich für viel Geld frei von Überfällen und Einquartierungen 1641-1644
Friedenshoffnung, aber neue Truppen 1645-1646
Die Aufrüstung des Großen Kurfürsten und seine Besuche in Soest 1646-1647
Der Westfälische Friede 1648 - Einigung in Nürnberg über die Abdankung und Abfindung der Armeen 1650
Der Jäger von Soest avanciert zur Symbolfigur für die Soester, damit wird die Erinnerung an den 30jährigen Krieg verklärt
Andreas Gryphius: Threnen des Vatterlandes /Anno 1636
Quellenanhang
Zeittafel



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