Die Soester Allerheiligen-Kirmes

Soester Allerheiligenkirmes   
Der Pferdemarkt am Kirmesdonnerstag auf der Walburger-Osthofen-Wallstraße in den 1950er Jahren.
Soester Allerheiligenkirmes in den 1920er Jahren zwischen Rathaus und den Kirchen St. Patrokli und St. Petri.

Jedes Jahr von Mittwoch bis Sonntag nach Allerheiligen findet in Soest das größte Volksfest weit und breit statt: die Allerheiligenkirmes. Auf derzeit 60.000 Quadratmetern Straßen, Gassen und Plätzen mit drei Kilometern Frontlänge bieten etwa 450 Geschäfte, modernste riesige und atemberaubende, aber auch kleine Kinder-Karussells, Mandel-, Wurst- und Bierstände, Wahrsagerinnen, Zauberer und andere Gaukler, Aufregung, Trubel, Vergnügen fast jeder leichten Art für Jung und Alt, für Hunderttausende. Davon allein 200.000 Soester, wenn man hochrechnet, dass jede lauffähige Soesterin und jeder lauffähige Soester - das mögen 40.000 von den 50.000 Einwohnern sein - an keinem der fünf Kirmestage zu Hause bleibt. Und vielleicht kommen noch einmal so viele Fremde hinzu, so dass oft kaum durchzukommen ist in den meist engen Straßen der Altstadt.
Das Wort Kirmes ist aus mittelhochdeutsch "kirchwihmesse" verkürzt. Neue Kirchen wurden vor dem ersten Gottesdienst geweiht. Das Gebäude wurde zumeist durch einen Bischof von innen und außen mit Weihwasser besprengt. Hauptportal, Wände und Altar wurden symbolisch gewaschen und gesalbt. Jährlich beging man den Tag der ersten Weihe als besonderes Kirchenfest. Dieser Jahrestag, an dem alle Bewohner aus dem oft weit ins Umland ausgreifenden Kirchensprengel zusammen kamen, lockte Händler, fahrende Leute und Gaukler. So entstanden regelmäßig wiederkehrende Jahrmärkte.
Die bedeutendste Kirchweihe in Soest fand 1166 mit der Abschlussweihe der Münsterkirche St. Patrokli durch den Kölner Erzbischof Reinald von Dassel statt, nach einer wahrscheinlich früheren, aber nicht überlieferten Weihe für die ältere Petrikirche. (Die anderen Soester Kirchen entstanden später.) Märkte gab es aber schon früher in Soest, dessen Marktrecht 1144 vom Kölner Erzbischof der Stadt Medebach verliehen wurde.
Die Soester Kirmes könnte bis in diese Zeiten zurück reichen. Schriftlich belegt aber ist sie erst 1338 in der ältesten erhaltenen, auf Pergament geschriebenen Soester Stadtrechnung. Dort heißt die unscheinbare und kaum lesbare Eintragung: "Item de wrighe kermesse constat VI s." (Außerdem kostet die freie Kirmes 6 Schilling.) Auf Grund dieses ältesten Nachweises feiern die Soester im Jahr 2003 ihre 666. Allerheiligen-Kirmes. (Bis vor einigen Jahren noch war eine Quelle von 1417 aus dem Stadtarchiv als Ersterwähnung und damit Grundlage für eine 79 Jahre jüngere Zählung gewesen.)

   
Technischer Fortschritt auf der Soester Kirmes mit Motorrad und Weltraumkapseln. Der zum Jahrestag der russischen Oktoberrevolution Anfang Oktober 1957 von der Sowjetunion gestartete erste Weltraumsatellit war eine Sensation. Ihm folgten in den nächsten Jahren weitere mit diesem Namen. Sputnik inspirierte auch die Karussellbauer und belebte die Soester Kirmes um 1960.


Zu diesem Jubiläum plane ich, einen Bild- und Textband über die Geschichte der Soester Kirmes herauszugeben. Die Materialsammlung habe ich abgeschlossen. Unter Verwendung der von mir schon 1972 und 1977 auf insgesamt fast 100 Seiten aus 70 Jahrgängen Soester Zeitungen zusammengestellten Anzeigen mit Abbildungen und Texten und Berichten der Soester Redakteure, die schon lange vergriffen sind, wird das geplante Buch eine Auswertung der Soester Lokalzeitungen von ihrem ersten Erscheinen 1819 bis in die jüngste Zeit und der Akten im Stadtarchiv, vor allem aber viele Fotos zur Kirmes aus den letzten hundert Jahren enthalten.



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