25.000 Armbrustbolzen im Soester Osthofentor - Museum![]() Die mit den Armbrustbolzen und einem Stadtsoldaten fertig bestückte Großraumvitrine im Osthofentor-Museum 1982. Im einzigen erhaltenen Stadttor von ursprünglich zehn, dem 1523 - 1526 gebauten Osthofentor, wurde in den Jahren 1978 - 1982 ein stadtgeschichtliches Museum eingerichtet. In diesem Museum befinden sich drei Ebenen. In der ersten, der Wachstube, bieten dreizehn Paneele mit großformatigen Texten, Fotos, Reproduktionen und Grafiken einen Überblick über die mehr als 1000jährige Geschichte der Stadt Soest. Im Mittelpunkt dieses Raumes stehen zwei große Stadtmodelle im Maßstab 1 : 1000, die Soest um das Jahr 1000 und um 1550, also am Anfang und am Ende seiner mittelalterlichen Entwicklung zeigen. In der über eine steinerne Wendeltreppe zu erreichenden Rüstkammer wird auf 19 Text- und Bildtafeln die mittelalterliche Wehrgeschichte dargestellt. Im Zentrum dieser Rüstkammer aber stehen eine Großraumvitrine und zwei Truhen, die die fast 37.000 Armbrustbolzen bzw. die eisernen Bolzenspitzen enthalten. Diese stammen aus dem 14. bis 16. Jahrhundert und haben in der alten Rüstkammer des Soester Rates im Turm von St. Patrokli gegenüber dem Rathaus die Jahrhunderte überdauert. In der Vitrine wird außerdem ein Stadtsoldat mit seiner gesamten Ausrüstung gezeigt: Armbrust, Helm, Kettenhemd, Schwert, Hakenbüchse und Wurfhammer. Die Sammlung von etwa 8.600 kompletten Bolzen mit originalem Zain (Schaft aus Eichenholz), z. T. mit in dessen hinterem Teil eingepassten Befiederung mit zwei Holzlamellen aus Korbweide und den Bolzeneisen an der Spitze, etwa 11.000 weniger gut erhaltenen, 5.000 ohne Eisenspitzen und ca. 12.000 Bolzeneisen ist einmalig auf der Welt. Aus diesem Gesamtbestand hat das Stadtarchiv, das das Osthofentormuseum eingerichtet und auch die Restaurierung und Unterbringung der Armbrustbolzen betreut hat, zusammen mit dem estländischen Historiker, Archäologen und Spezialisten für mittelalterliche Waffen, Ain Mäesalu, etwa 800 Exemplare für wissenschaftliche Untersuchungen aussortiert. Dieser Bestand, in dem alle Varianten oder auch Einzelstücke zusammengefasst sind, bildet die Grundlage für die Erarbeitung eines Armbrustbolzenkataloges. In ihm sollen die Varianten beschrieben, gezeichnet und möglichst als Foto abgelichtet sein. Die Beschreibungen sollen die Unterschiede der einzelnen Bolzen hervorkehren und Datierungen anbieten. Auch die Armbrustbolzen, vor allen die Bolzeneisen, wurden im Laufe der Jahrhunderte den jeweiligen militärtechnischen Gegebenheiten durch Zusammensetzung, Gewicht, Länge oder Querschnitt angepasst.
Während meiner Dienstzeit als Stadtarchivar konnte ich die mühsamen Arbeiten vorantreiben. Aus Estland und von den Restauratoren liegen einige Manuskripte vor, darunter auch eine metallurgische Untersuchung von Bolzeneisen, die noch redigiert werden müssen. Der schwierige und kostspielige Katalog wird wahrscheinlich erst in zwei bis drei Jahren erscheinen. Ich bitte, Historiker, Archäologen oder Museumsleiter, die Erfahrung im Umgang mit Bolzeneisen haben - Armbrustbolzen mit originalem Zain wird es sonst kaum geben -, sich bei mir oder im Soester Stadtarchiv zu melden. Wir würden uns über ihre Mitarbeit freuen. Eine Einführung über unseren Bestand findet sich schon in einem kurzen Vorbericht der Restaurierungswerkstatt des Westfälischen Museumsamtes des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe: Ties Karstens: Soest - Osthofentor - Einrichtung eines Museumsraumes für die Ausstellung von Armbrustbolzen. In: Aus westfälischen Museen. 1. Jg., Heft 1, März 1985. Bei der städtischen Tourist-Information gibt es einen Faltprospekt zum Osthofentor-Museum. |
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